In der aktuellen Ausgabe der Fotobuch-Plauder-Ecke geht es um das Thema „Vorbilder“.
Und wie so oft könnten die vorgestellten Fotografen kaum unterschiedlicher sein. Hört gerne in die Podcast-Folge hinein.
Florian wählte als sein fotografisches Vorbild den britischen Fotografen Martin Parr, der im Laufe seines Lebens über 120 Fotobücher veröffentlichte und weit mehr als 12.000 Fotobücher sammelte.
Konkret stellte er das Buch „Grand Hotel Parr“, den passenden Katalog zur gleichnamigen Fotoausstellung, vor.
Grand Hotel Parr
Martin Parr
252 Seiten
21 x 27,5 cm
März 2026
ISBN 978-8410290471
58 €
Mehr dazu findet ihr wie immer in seinem Blog.

Fritz Pölking – Digitale Naturfotografie in der Praxis
Mitte der neunziger Jahre, während meiner Schulzeit, trat die Fotografie durch eine schulische Foto-AG in mein Leben. Fasziniert von diesem Thema suchte ich in der Stadtbücherei nach Inspiration und stieß damals auf zahlreiche Veröffentlichungen des Fotografen Fritz Pölking. Seine Bücher, seine Fotografien und seine Schreibweise zogen mich sofort in ihren Bann.
Der 1936 in Krefeld geborene Pölking gilt bis heute als einer der bedeutendsten deutschen Naturfotografen des 20. Jahrhunderts. Bereits früh beschäftigte er sich intensiv mit der Naturfotografie, absolvierte zunächst eine Konditorenausbildung und widmete sich später hauptberuflich der Fotografie. Besonders die Natur- und Tierfotografie wurden zu seinem Schwerpunkt. International bekannt wurde er spätestens 1977 mit dem Gewinn des renommierten „Wildlife Photographer of the Year Award“. Vor allem seine Tieraufnahmen – insbesondere seine Gepardenbilder – machten ihn weit über Deutschland hinaus bekannt.
Doch Fritz Pölking war weit mehr als „nur“ Fotograf. Er war Mitbegründer der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen und prägte die Naturfotografie auch als Autor, Verleger und Herausgeber. Viele Fotografen meiner Generation begegneten ihm vermutlich zuerst über seine Bücher und Texte. Denn genau diese Mischung aus technischem Wissen, persönlicher Erfahrung und humorvoller Schreibweise machte seine Werke so besonders.
Seine Erfahrungen teilte er immer wieder in Büchern. Deshalb fiel mir die Auswahl des Buches, das ich zum Thema „Vorbild“ vorstellen wollte, nicht ganz leicht. Viele der Bücher, die mich damals faszinierten, sind mittlerweile vergriffen. Man darf nicht vergessen, dass Mitte und Ende der Neunzigerjahre eine spannende Zeit waren, in der die digitale Fotografie langsam begann, die analoge Fotografie abzulösen.
Das von mir vorgestellte Buch trägt den vollständigen Titel „Digitale Naturfotografie in der Praxis – Der Workflow für Naturfotografen. Das große Abenteuer im Kreislauf des Jahres“ und erschien 2006 im von Pölking gegründeten Kilda Verlag. Gerade der Zeitpunkt der Veröffentlichung macht das Buch heute besonders interessant. Die Fotografie befand sich damals mitten in einer gewaltigen Umbruchphase: Viele Fotografen arbeiteten noch analog mit Diafilm, während sich die digitale Spiegelreflexfotografie langsam durchzusetzen begann.
Und genau diesen Wandel beschreibt Fritz Pölking in seinem Buch. Er selbst bezeichnete das Werk als Lehrbuch, Bildband, Werkstattbuch, Abenteuerbuch und Reiseführer zugleich. Und genau all das bündelt sich in diesem Buch.

Die humorvolle Schreibweise von Fritz Pölking, die faszinierenden Tierfotografien und auch sein technischer Sachverstand machen das Buch bis heute besonders lesenswert. Natürlich blickt man heute mit einem kleinen Lächeln auf die technischen Aspekte der digitalen Fotografie zu Beginn des Jahrtausends zurück, wenn man das Buch in die Hand nimmt. Kameras mit sechs oder acht Megapixeln galten damals als professionell – heute wirken sie beinahe nostalgisch. Die grundlegenden Themen, die er beschreibt, bleiben jedoch zeitlos.
Fritz Pölking betont immer wieder, wie aufwendig Naturfotografie ist. Bis man ein brillantes Bild erhält, das die Titelseiten renommierter Magazine zieren kann, bedarf es vieler Stunden Arbeit, Ausdauer und Geduld. Technik allein reicht eben nicht aus – entscheidend sind Beobachtungsgabe, Naturverständnis und Geduld. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sehr ich diese Ausdauer zu Beginn meiner eigenen fotografischen Reise bewunderte. Die Naturfotografie war dann auch das erste fotografische Genre, das ich selbst intensiv auszuleben versuchte – nicht zuletzt durch den Einfluss von Fritz Pölking.
Besonders beeindruckt hat mich damals auch, wie persönlich Pölking schrieb. Seine Bücher waren nie reine Technik-Lehrbücher. Vielmehr hatte man beim Lesen oft das Gefühl, einem erfahrenen Fotografen direkt zuzuhören, der von seinen Reisen, Erfolgen, Fehlschlägen und Begegnungen mit der Natur erzählt. Genau das machte seine Bücher für mich so inspirierend.

2007 verstarb Fritz Pölking. Bereits im darauffolgenden Jahr wurde der Fritz-Pölking-Preis ins Leben gerufen, der bis heute jährlich vergeben wird und seinen Einfluss auf die europäische Naturfotografie weiterträgt. Der von Fritz Pölking gegründete Kilda Verlag sowie seine Webseite existieren zwar weiterhin und werden von seinen Erben betrieben, neue Werke erscheinen jedoch nicht mehr.
So ist das vorgestellte Buch gleichzeitig auch eine Erinnerung an das Lebenswerk von Fritz Pölking. Denn darin zeigt er sowohl den Beginn seiner Naturfotografie in den 1950er Jahren mit seinen ersten Aufnahmen als auch seine damaligen aktuellen Arbeiten. Gerade dadurch dokumentiert das Buch nicht nur Naturfotografie, sondern auch den Wandel der Fotografie selbst.
Leider ist das Buch mittlerweile vergriffen, auf dem Gebrauchtmarkt findet man es jedoch noch zu vergleichsweise kleinen Preisen.

Zusammenfassung
Natürlich ist das vorgestellte Buch „Digitale Naturfotografie in der Praxis“ heute kein aktuelles Lehrbuch mehr. Die Technik hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren immens verändert, und die damals vorgestellten Kameras würde man heute vermutlich eher belächeln.
Für mich persönlich hatte dieses Buch jedoch eine enorme Bedeutung. Fritz Pölking begleitete mich in den Anfangsjahren meiner fotografischen Leidenschaft durch seine Bücher. Seine launige Art zu schreiben, seine wertvollen Erfahrungen und seine Art der Bildgestaltung sind – glaube ich – auch heute noch unterhaltsam und wertvoll.
Deshalb war Fritz Pölking für mich nicht nur ein Vorbild in der Fotografie, sondern auch jemand, der mir gezeigt hat, dass gute Naturfotografie weit mehr ist als perfekte Technik.

Eckdaten zum Buch:
Fritz Pölking – Digitale Naturfotografie in der Praxis
Kilda Verlag
224 Seiten – über 300 Fotos
Hardcover
24 x 31 cm
März 2006
ISBN 978-33889492029
Podcast-Empfehlung:
Die Goldspur – Über die dunkle Welt des Goldhandels
Links:
Digitale Naturfotografie in der Praxis – Amazon (*)
Grand Hotel Parr bei artbooks Online
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