Während Phileas Fogg in Jules Vernes Klassiker in 80 Tagen die Welt umrundet, braucht Björn Kuhligk nicht einmal die Stadtgrenze zu verlassen: In Berlin in 80 Imbissen bereist er seine Heimat auf wenigen Quadratkilometern – und entdeckt dabei eine ganz eigene Welt. Die fotografischen Entdeckungen seiner Touren quer durch die Bundeshauptstadt sind kürzlich im Verlag Favoritenpresse als kleines Büchlein erschienen.

Über den Fotografen
Björn Kuhligk wurde 1975 in Berlin geboren. Nach der Schule absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Buchhändler und widmete sich parallel dem Schreiben. Inzwischen sind mehrere Lyrikbände von ihm erschienen.
Zur Fotografie kam er eher beiläufig: Er begann, Alltägliches mit seinem Smartphone festzuhalten – beiläufige Szenen, unscheinbare Orte. Aus diesem zunächst intuitiven Zugang entwickelte sich ein ernsthaftes Interesse, das ihn schließlich dazu brachte, mit Mitte 40 Fotografie an der Berliner Ostkreuzschule zu studieren.
Seine Abschlussarbeit widmete sich einer Langzeitreportage über den Wandel der Gemeinde Schönefeld am Berliner Stadtrand und deren Veränderung durch den Bau des Flughafens BER. Neben seinen fotografischen Arbeiten erschien kürzlich auch ein weiteres Buch mit Berlin-Bezug: Berlin-Beschimpfungen (Amazon *). Darin setzt er sich pointiert mit den Unzulänglichkeiten seiner Heimatstadt auseinander – was zunächst scharf klingt, entpuppt sich letztlich als eine sehr persönliche, fast liebevolle Auseinandersetzung mit Berlin.

Über das Buch
Berlin in 80 Imbissen ist ein kleines, etwa postkartengroßes Büchlein. Auf 120 Seiten porträtiert Björn Kuhligk unterschiedlichste freistehende Imbisse in Berlin. Vom China-Imbiss über den Dönerladen bis hin zur klassischen Currywurstbude ist alles vertreten, was zur kulinarischen Alltagskultur der Stadt gehört.
Kuhligk fotografiert diese Orte mit einem feinen Gespür für ihre Umgebung. Die Buden stehen selten isoliert im Bild – stattdessen werden sie eingebettet in ihr Umfeld: Hochhausfassaden, Straßenkreuzungen oder vorbeiführende S-Bahn-Linien erzählen immer auch ein Stück Stadtgeschichte mit. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie es ihm gelingt, die Eigenheiten und Unterschiede der einzelnen Imbisse sichtbar zu machen.
Jede Aufnahme wird durch eine knappe Annotation ergänzt, die den jeweiligen Standort benennt. Wie auch in anderen fotografischen Projekten Kuhligks – etwa Schöne Orte (microtext-Verlag – Amazon *) oder Schönefeld (Favoritenpresse – Amazon *) – sind Menschen zwar indirekt präsent, etwa durch Spuren oder Nutzung, aber nie direkt im Bild zu sehen. Diese Abwesenheit verstärkt die Konzentration auf die Orte selbst.
In einem kurzen Nachwort beschreibt Kuhligk sein Vorgehen: Innerhalb eines Jahres erkundete er mehrere hundert Imbissbuden in Berlin. Sein besonderes Interesse galt dabei auch den Veränderungen – einem zentralen Motiv seiner Arbeit.
Die Druckqualität des Büchleins ist dabei über jeden Zweifel erhaben. Es erinnert in seiner Gestaltung an ein kleines Postkartenbuch, durch das man gerne blättert. Liebevolle Details, wie die Illustrationen im Klappeinband, unterstreichen die Sorgfalt, mit der der Verlag seine Bücher produziert.

Fazit
Ich habe eine besondere Vorliebe für fotografische Sammlungen – vor allem dann, wenn sie etwas festhalten, das im Verschwinden begriffen ist oder sich stetig verändert. Genau hier setzt Björn Kuhligk mit Berlin in 80 Imbissen an.
Er dokumentiert nicht nur Orte, sondern einen Zustand: eine Momentaufnahme der Berliner Imbisskultur. Viele der gezeigten Buden haben sich vermutlich bereits während der Entstehung des Buches verändert – sie wurden umgebaut, haben den Besitzer gewechselt oder sind ganz verschwunden. Gerade diese Vergänglichkeit verleiht dem Projekt seine Besonderheit.
Was auf den ersten Blick wie eine einfache Sammlung wirkt, entfaltet beim genaueren Hinsehen eine größere Tiefe. Es geht um Stadtentwicklung, um Alltagskultur, um Identität – und darum, wie schnell sich selbst vertraute Dinge wandeln. Kuhligk gelingt es, diese Aspekte unaufgeregt und ohne Pathos sichtbar zu machen.
Das kleine Format des Buches passt dabei hervorragend zum Inhalt: Es wirkt wie ein persönliches Archiv, fast wie ein Fundstück, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt. Für mich liegt genau darin die Stärke dieses Bildbandes.
Aus meiner Sicht ist Berlin in 80 Imbissen nicht nur eine charmante fotografische Sammlung, sondern auch ein Zeitdokument. Es eignet sich hervorragend als Geschenk für Fotografieinteressierte – und vielleicht auch für alle, die Berlin aus einer etwas anderen Perspektive entdecken möchten.
Podcast
Im Podcast konnte ich ausführlich mit Björn Kuhligk über sein Projekt Berlin in 80 Imbissen sowie über seine weiteren fotografischen Arbeiten sprechen. Auch das Thema Berlin-Beschimpfungen streifen wir kurz – hört gerne rein.
Empfehlung
Katja Petrowskaja – Das Foto schaute mich an (Amazon *)

Eckdaten zum Buch
Berlin in 80 Imbissen
Björn Kuhligk
Favoritenpresse
Klappenbroschure
17 x 12 cm
120 Seiten
März 2026
15 €
ISBN 978-3-96849-211-7
Links
Berlin in 80 Imbissen bei Amazon *
Berlin-Beschimpfungen bei Amazon *
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Vielen Dank an die Favoritenpresse, die mir freundlicherweise ein Exemplar des vorgestellten Buches zugeschickt hat.

20. April 2026 um 9:44 Uhr
Lieber Thomas Winter,
was für ein schöner Podcast. Hat großen Spaß gemacht, das Gespräch mit Björn zu hören.
20. April 2026 um 11:59 Uhr
Hallo Bodo,
es freut mich, dass Dir der Podcast gefallen hat.
Gruß
Thomas