Florian und ich treffen uns auf der Analog Art Affair in Köln und da wir dort vor Ort direkt auch einen Podcast aufnehmen, ist das Thema natürlich „analoge Fotografie“.


Bevor wir zu der Buchvorstellung kommen, vielleicht noch kurz zwei Sätze zu der Analog Art Affair. Diese kleine, beschauliche Messe in Köln hat mir wirklich gut gefallen, unheimlich viele kreative Künstler mit tollen Fotoprojekten, die dort vorgestellt worden sind, in kleinen Beiträgen auf der Bühne wurden die Projekte auch noch mal näher beschrieben man konnte sich viel angucken man hat unglaublich viele Gespräche geführt und auch nette Leute getroffen also für mich ein wirklich gelungener Tag.

Fotobuch-Plauder-Ecke - Aufnahme Analog Art Affair

Florian wählte das Buch „It’s a Pen“ von Michele Drabiniok, ein Buch über die Halbformat-Kamera Olympus Pen F. Aber das war nicht alles, sondern der Fotograf selber war auch auf der Analog Art Affair und überraschte uns mitten während der Podcast-Episode. 

It’s a Pen

Michele Drabiniok
284 Seiten
ca. 18 x 24 cm
August 2026
40 €

Weitere Informationen zum Buch, findet ihr wie immer auf der Website von Florian.


Für einen vor Ort Podcast habe ich natürlich das völlig falsche Buch gewählt. Mein Buch wog 4,5 kg, ein echter Schinken. Aber genug der Vorrede. Welches Buch habe ich denn nun vorgestellt:

Titel - Magnum - Contact Sheets

Magnum Contact Sheets aus dem Schirmer Mosel Verlag.

Das Buch ist 2011 erschienen und bringt es auf stolze 508 Seiten und 4,5 kg. Herausgegeben wurde es von Kirsten Lubben. Zu sehen sind insgesamt 435 Fotografien, die in chronologischer Reihenfolge einen Zeitraum von 1930 bis 2010 abdecken. Und dabei ist eigentlich schon ziemlich viel über das Buch gesagt.

Denn „Magnum Contact Sheets“ ist nicht einfach ein Buch mit den berühmtesten Fotografien der Magnum-Fotografen. Im Gegenteil: Das eigentlich Spannende sind die Kontaktbögen.

Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie faszinierend. Wir kennen viele dieser Bilder. Bilder, die zu Ikonen der Fotografie geworden sind und die teilweise unsere Vorstellung von historischen Ereignissen bis heute prägen. Aber wie ist dieses eine Bild eigentlich entstanden? War es geplant? War es ein glücklicher Zufall? Oder hat der Fotograf während einer längeren Situation genau den einen Moment erwischt?
Genau hier setzt das Buch an.
Den meist abgebildeten Kontaktbogen findet man zusammen mit dem später berühmt gewordenen Einzelbild. Dazu gibt es einen Text zur Entstehung des Bildes und teilweise weitere Vergrößerungen. So bekommt man nicht nur das fertige Bild zu sehen, sondern gewissermaßen auch den Weg dorthin.

Und genau das macht für mich den Reiz des Buches aus.

Inhalt - Magnum - Contact Sheets

Wir sind es gewohnt, die großen Fotografien der Fotogeschichte als fertige Bilder zu betrachten. Das perfekte Bild. Der entscheidende Moment. Der berühmte Fotograf. Fertig. Der Kontaktbogen nimmt diesem Mythos ein wenig die Magie – und macht die Entstehung des Bildes sichtbar. Und dabei wird eines sehr schnell deutlich: Auch bei den ganz Großen ist nicht jedes Bild ein Treffer. Eigentlich ist das sogar ziemlich beruhigend.

Auf einem Kontaktbogen sieht man viele ähnliche Aufnahmen. Manche sind zu früh, manche zu spät, manche sind technisch vielleicht nicht perfekt und bei manchen passiert einfach gar nichts. Und irgendwo dazwischen steckt dann dieses eine Bild, das später um die Welt geht.

Das gefällt mir besonders an dem Buch. Es zeigt Fotografie nicht nur als fertiges Produkt, sondern als Arbeitsprozess.

Inhalt - Magnum - Contact Sheets

Und auch die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Fotografen werden sichtbar. Jeder Kontaktbogen sieht anders aus. Manche Fotografen machen sehr viele Aufnahmen einer Situation, andere scheinbar nur wenige. Mal liegen die Bilder eng beieinander, mal erkennt man deutliche Veränderungen in der Situation. Dadurch bekommt man nebenbei auch einen kleinen Einblick in die Arbeitsweise der jeweiligen Fotografen.

Dabei ist die Auswahl der Namen natürlich beeindruckend. Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Elliott Erwitt, Thomas Höpker und viele andere Magnum-Fotografen sind vertreten. Insgesamt finden sich 69 Fotografen im Buch.

Die Bilder reichen dabei von den 1930er-Jahren bis in die 2000er. Capa ist mit seinen Aufnahmen vom D-Day vertreten, Erich Lessing dokumentierte den Ungarn-Aufstand 1956, Josef Koudelka fotografierte die Invasion der Warschauer-Pakt-Staaten in Prag 1968. Dazu kommen Porträts von Persönlichkeiten wie Che Guevara, Mutter Theresa oder Margaret Thatcher und natürlich zahlreiche Reportagen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt.

Durch die chronologische Anordnung bekommt man dabei fast nebenbei noch einen Überblick über sieben Jahrzehnte Fotografie- und Zeitgeschichte. Das Buch ist deshalb für mich nicht nur ein Fotobuch über Magnum, sondern gleichzeitig auch ein ziemlich beeindruckendes historisches Dokument.

Inhalt - Magnum - Contact Sheets

Früher gehörte der Kontaktbogen ganz selbstverständlich zum fotografischen Arbeitsprozess. Man entwickelte seinen Film, machte einen Kontaktabzug und konnte anschließend beurteilen, welche Aufnahme etwas taugt. Heute übernimmt diese Aufgabe bei der digitalen Fotografie der Kameramonitor beziehungsweise Lightroom, Capture One oder ein anderes Programm. Der Kontaktbogen ist somit ein Stück weit aus unserem fotografischen Alltag verschwunden.

Vielleicht ist genau deshalb dieses Buch so interessant. Es zeigt eine Form des Fotografierens, die für viele jüngere Fotografen schon ziemlich weit weg erscheint. Und gleichzeitig erinnert es daran, dass auch die großen Fotografen letztlich genau das gemacht haben, was wir alle kennen: fotografieren, ausprobieren, verwerfen – und hoffen, dass am Ende das eine Bild dabei ist.

Inhalt - Magnum - Contact Sheets

Fazit

„Magnum Contact Sheets“ ist sicherlich kein Buch, das man mal eben gemütlich auf dem Sofa durchblättert. Allein das Gewicht sorgt dafür, dass man sich vorher ziemlich genau überlegen sollte, wo man es hinlegt. Für einen Podcast vor Ort ist es jedenfalls eher ungeeignet – das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. 😉

Aber als Fotobuch finde ich es großartig.

Besonders gefällt mir die Kombination aus Kontaktbogen und fertigem Bild. Man bekommt nicht nur das Ergebnis präsentiert, sondern sieht, wie dieses Ergebnis entstanden ist. Und gerade dadurch wirken manche der berühmten Fotografien plötzlich ganz anders.

Für mich ist das Spannende an „Magnum Contact Sheets“ deshalb gar nicht unbedingt, die berühmten Bilder noch einmal zu sehen. Die kennt man häufig schon. Spannender ist der Blick auf die Bilder davor und danach. Denn genau dort zeigt sich, dass auch ein berühmter Fotograf nicht einfach im richtigen Moment auf den Auslöser drückt und damit automatisch ein Meisterwerk produziert.

Das Buch zeigt Fotografie als Handwerk, als Suche und manchmal eben auch als Glückstreffer.

Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieses ziemlich schweren Buches: Auch die ganz Großen haben viele Bilder gemacht, bevor das eine perfekte Bild dabei war.

Inhalt - Magnum - Contact Sheets

Eckdaten:

Magnum Contact Sheets

Schirmer / Mosel
524 Seiten
Hardcover
ISBN 978-3-8296-0679-0

Links:

Agentur Magnum

Magnum Contact-Sheets (gebundene Ausgabe) *

Magnum Contact Sheets (Softcover – englischsprachig) *

Michele Drabiniok – Instagram


Podcast-Tipp: Die Schill-Show

Podcast-Tipp: Exposure

Analog Art Affair

Petra Löffler – vesnicia

Marvin Kelzenberg – BoxSpeed

Team Wetplate


Hinweis: Links, die mit * gekennzeichnet sind, sind Affiliate-Links. Wenn du darüber ein Produkt kaufst, erhalte ich eine kleine Provision direkt vom Händler – für dich bleibt der Preis gleich. So kannst du mich ganz unkompliziert dabei unterstützen, den Blog und den Podcast weiterzuführen. Vielen Dank!