Im Monat Februar haben wir uns relativ spontan für das Thema „Monografie“ entschieden, warum spontan, und was wir zu sagen haben, hört ihr -wie immer- im Podcast:
Florian wählte als von dem berühmten Schweizer Fotografen René Burri das Buch:
Mouvement
René Burri
Diogenes / Steidl
2 Bände im Schuber
308 Seiten
November 2015
ISBN: 978-3257021295
78 €
Die ausführliche Besprechung lest Ihr in Florians Blog.

Es gibt Fotografien, die kommen einem sofort vertraut vor. So ging es mir bei dem Porträt des Apple-Gründers Steve Jobs. Er trägt einen Rollkragenpullover, die runde Brille, sein markanter Blick ist direkt auf die Kamera gerichtet, die Hand ans Kinn gelegt. Dieses Bild ziert unter anderem das Cover der Jobs-Biografie – und eben auch das Titelbild des heute vorgestellten Buches von Albert Watson.
Sobald ich mich näher mit diesem Buch beschäftigte, fielen mir noch viele weitere bekannte Aufnahmen auf. Der Name Albert Watson sagte mir ehrlich gesagt zunächst wenig. Irgendwo im Hinterkopf wusste ich, dass es sich um einen Fotografen handelt, doch so richtig einordnen konnte ich ihn nicht. Das Buch Kaos hilft dabei, das Werk dieses bedeutenden Porträtfotografen kennenzulernen.

Albert Watson wurde 1942 in Edinburgh, Schottland, geboren und zog als junger Mann in die USA. Dort betrieb er die Fotografie zunächst nur als Hobby, bis er eines Tages Arbeiten an einen Zeitungsverleger schickte – die prompt angenommen wurden. In den 1970er-Jahren entwickelte er seinen Stil weiter und hatte bald mehr oder weniger alle bekannten Persönlichkeiten einmal vor der Linse. Über 100-mal zierten seine Fotografien das Cover der Vogue. Vermutlich sind uns deshalb viele seiner Bilder so vertraut, auch wenn wir seinen Namen nicht immer direkt zuordnen können.

Im Taschen Verlag erschien mit Kaos ein umfangreiches Werk, das einen beeindruckenden Überblick über Watsons Schaffen bietet. Der Schwerpunkt liegt auf Porträts prominenter Persönlichkeiten, doch finden sich ebenso inszenierte Fotografien, Aktaufnahmen, Landschaftsbilder und sogar ein wenig Streetfotografie. Auf über 408 Seiten wird ein breites Spektrum seiner Kunst präsentiert.
Ein einleitender Text in Englisch, Deutsch und Französisch bringt dem Leser Leben und Werdegang des heute in den USA lebenden Fotografen näher. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Die gewählte graue Schriftfarbe erschwert meines Erachtens die Lesbarkeit etwas. In einem Bildband dieser Qualität lässt sich das jedoch verschmerzen.
Geliefert wird das Buch in einem stabilen Schuber. Mit seinen beachtlichen Maßen von rd. 28 × 38 cm und einem Gewicht von 5,5 Kilogramm ist es mit Abstand das schwerste Buch in meinem Regal. Die Druckqualität ist über jeden Zweifel erhaben; gerade durch das großzügige Format entfalten die Fotografien ihre volle Wirkung.

Was mir an diesem Band besonders gefällt, ist die Entdeckung eines Fotografen, dessen Werk mir zwar in vielen Motiven vertraut war, dessen Name mir jedoch bislang kaum präsent war. „Kaos“ führt eindrucksvoll vor Augen, wie vielseitig Albert Watson gearbeitet hat – und mit welcher Klarheit und Intensität er Menschen porträtiert. Seine Bilder sind nicht bloß Abbilder prominenter Persönlichkeiten, sondern wirken durchdacht, reduziert und zugleich charakterstark.
Vor allem die Porträts haben es mir angetan. Watson gelingt es, seine Modelle auf eine Weise festzuhalten, die über das bloße Äußere hinausgeht. Man spürt förmlich die Persönlichkeit hinter dem Gesicht. Diese Mischung aus technischer Perfektion, klarem Stil und einem feinen Gespür für den richtigen Moment macht den Reiz dieses Bildbandes aus. Für mich ist Kaos nicht nur ein imposantes Buchobjekt, sondern eine eindrucksvolle Hommage an die klassische Porträtfotografie – kraftvoll, zeitlos und von bemerkenswerter Beständigkeit.

Kaos
Albert Watson
Taschen-Verlag
408 Seiten
Hardcover im Schuber
27,8 x 37,8 cm
5,5 kg
November 2025
ISBN 978-3754401545
125 €

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Vielen Dank an den Taschen-Verlag, die mir ein Exemplar des vorgestellten Buches zugeschickt haben.

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