Vielleicht nutzt der ein oder andere die dunkle Jahreszeit ebenfalls, um sich einmal etwas anders mit der Fotografie zu beschäftigen – zum Beispiel, um Ausstellungen zu besuchen. Florian und ich waren dabei unabhängig voneinander in der aktuell noch für kurze Zeit in Köln stattfindenden Ausstellung über Bernd und Hilla Becher Geschichte einer Methode. Passend dazu widmen wir uns diesmal dem Thema: Ausstellungen.
Florian wählte für sich den Bildband „DDR / East Germany: Colour Works 1972–1990“ von Thomas Höpker, der begleitend zur gleichnamigen Ausstellung in der Berliner Buchkunstgalerie erschienen ist.
DDR / East Germany: Colour Works 1972–1990
Thomas Höpker
Verlag Buchkunst Berlin
Hardcover
292 Seiten
November 2025
ISBN 978-3981980509
58 €
Mehr -wie immer- bei Florian im Blog.

Meine Wahl im Zusammenhang mit Ausstellungen und Fotografie fiel auf „At the Louvre“ von Robert Polidori. Polidori, 1951 in Montreal geboren, ist ein international anerkannter kanadisch-amerikanischer Fotograf, der vor allem durch seine großformatigen Farbfotografien von Architektur, urbanen Räumen und Innenräumen bekannt geworden ist.
Polidori begann seine fotografische Karriere in den 1980er Jahren mit der Dokumentation der Restaurierungsarbeiten am Château de Versailles – ein Projekt, das ihn über Jahrzehnte begleitete. Über die Jahre drehte sich Polidoris Blick nicht nur um Größe und Pracht historischer Bauten: Er reiste in verlassene Orte nach der Tschernobyl-Katastrophe oder dokumentierte die verwüsteten Stadtlandschaften nach Hurrikan Katrina. Seine Bilder wurden in bedeutenden Museen wie dem Metropolitan Museum of Art in New York oder dem Victoria & Albert Museum in London ausgestellt und gehören zu den Sammlungen großer Häuser weltweit.
In dem im Rizzoli Verlag erschienenen Bildband „At the Louvre“ geht Polidori einen Schritt weiter: Anlässlich der Ausstellung „Naples in Paris: The Louvre Hosts the Museo di Capodimonte“, die von Juni 2023 bis Januar 2024 im Musée du Louvre stattfand, erhielt er exklusiven Zugang zu den Vorbereitungen dieser außergewöhnlichen Schau.
Anders als in klassischen Ausstellungskatalogen, die meist fertige Werke zeigen, dokumentiert „At the Louvre“ den gesamten Prozess: das Eintreffen der Kunstwerke, ihre Auspackung, den Transport in die ehrwürdigen Räume der Grand Galerie, das Hantieren der Kuratoren und Museumstechniker, das Montieren an den Wänden und all die vielen Hände und Schritte, die nötig sind, um eine Ausstellung überhaupt sichtbar werden zu lassen.

Am Ende bleibt für mich vor allem die Erkenntnis, dass Ausstellungen weit mehr sind als das, was wir als Besucher später in den Räumen sehen. „At the Louvre“ macht diesen sonst unsichtbaren Teil sichtbar und lenkt den Blick auf die vielen Menschen, Abläufe und Entscheidungen, die notwendig sind, damit Kunst überhaupt erfahrbar wird. Robert Polidori gelingt es dabei, nicht nur zu dokumentieren, sondern Atmosphäre zu schaffen – zwischen Konzentration, Hektik und stillen Momenten.
Gerade dieser traditionelle, fast handwerkliche Ansatz der Fotografie, mit langen Belichtungszeiten, passt für mich sehr gut zu dem Thema. Es ist eine Art Entschleunigung, die den Respekt vor der Kunst und vor den Räumen, in denen sie gezeigt wird, spürbar macht. Man merkt den Bildern an, dass hier nichts beiläufig entstanden ist.
Für mich ist „At the Louvre“ deshalb weniger ein klassischer Bildband und auch kein reiner Ausstellungskatalog, sondern vielmehr ein stiller Begleiter, der zeigt, wie viel Arbeit, Erfahrung und Leidenschaft hinter dem steckt, was wir später oft ganz selbstverständlich betrachten. Vielleicht ist es genau dieser Blick hinter die Kulissen, der dafür sorgt, dass man beim nächsten Museumsbesuch etwas aufmerksamer durch die Räume geht – und sich bewusst macht, wie viel Vergangenheit und Gegenwart dort zusammenkommen.

At the Louvre
Robert Polidori
Rizzoli New York
104 Seiten
Hardcover
29,6 x 34,6 cm
Februar 2024
ISBN 978-0-8478-7391-3
50 $

Links:
Robert Polidori – At the Louvre *
Thomas Höpker – DDR / East Germany: Colour Works 1972–1990 *
DDR / East-Germany – Ausstellung
Bernd und Hilla Becher – Geschichte einer Methode – Ausstellung
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